Der Hohentwiel

Der Hohentwiel schaut auf eine sehr lange Geschichte zurück. Schon die Jäger der Steinzeit wurden vom größten der Hegauvulkane angezogen. In einer Schutthalde am Fuß des Berges hat man Kulturreste nicht nur aus der Steinzeit, sondern aus allen Epochen bis zur Römerzeit gefunden.

Die ältesten Überreste der heutigen Ruine stammen aus dem Ende des 8. Jh. Bis zum 15. Jh. aber wechselte der Hohentwiel noch mehrmals die Besitzer. Er war vor allem Herzogspfalz und Herzogsvorort der Schwaben, später (nach 994) gehörte er kurze Zeit wieder zum Reich, um 1086 den Herren von Singen-Twiel, ... um nur einige der Besitzer zu nennen.

Im Jahre 970 wurde auf dem Hohentwiel ein Kloster gegründet, das dann um 1005 von Kaiser Heinrich II. nach Stein am Rhein verlegt wurde. Bekannt wurde der Hohentwiel auch durch Scheffels Roman "Ekkehard", der zu dieser Zeit spielt.

1538 brachte Herzog Ulrich von Württemberg den Hohentwiel endgültig in seine Hand und unterstützte von dort das aufrührerische Volk im Bauernkrieg. In der zweiten Hälfte des 16. Jh. wurde die mittelalterliche Adelsburg zu einer starken Festung ausgebaut. Während des Dreißigjährigen Krieges war der Hohentwiel trotz fünfmaliger Belagerung ein unüberwindliches Bollwerk der Protestanten inmitten einer kaisertreuen Landschaft. Die Burgkommandanten Löscher und Widerholt unternahmen von dort aus auch ihre Streifzüge ins Land.

Im 18. Jh. war der Hohentwiel württembergisches Staatsgefängnis und der berühmteste Gefangene war wohl Johann Jakob Moser, der als "der Vater des deutschen Staatsrechts" gilt.

Am 01.05.1800 kapitulierten die Kommandanten von Bilfinger und von Wolff kampflos vor den in den Hegau vorrückenden Franzosen und hofften, die Burg so retten zu können. Trotz geringer strategischer Bedeutung wurden die Befestigungsanlagen wenige Monate später auf Befehl Napoleons geschleift.

 

Bis zum Jahre 1969 gehörte der Hohentwiel als Enklave im badischen Hegau zu Tuttlingen. Seit dem 01.01.1969 gehört die 10 ha große Festungsanlage mit insgesamt 116 ha Land zur Gemarkung Singen. Seit dieser Zeit gibt es alljährlich im Juli das "Hohentwielfest", das wie die wenigsten heute wissen darauf zurückzuführen ist, daß der Hohentwiel wieder an Singen zurückgegeben wurde.

Das Fest ist inzwischen weit über die Stadtgrenzen Singens, vor allem bei Jazzliebhabern, sehr bekannt und beliebt. Auf dem ehrwürdigen "Hontes" traten schon Legenden wie Ray Charles und Chuck Berry auf. Neben dem Jazzfestival gibt es auch einen Abend mit klassischer Musik und das volkfestartige Burgfest. Auf dem Burgfest sieht man sehr deutlich, wie viele verschiedene Vereine und Verbände es in Singen gibt, und es ist sehr erfreulich zu beobachten, daß sich vor allem die Vereine ausländischer Mitbürger sehr engagieren und das Fest so bereichern.